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Viel Spass mit meinen Gruselgeschichten!!!
Muhahahhahhahahahhahahahahhahahahahha

In einem tiefen dunklen Wald befand sich ein altes halb verfallenes Schloss. Seit vielen Jahren lebte darin ein alter Graf mit seinem Diener. Der Graf hatte ein Silberbein und sein Diener ein Holzbein.

Eines Tages starb der Graf. Der Diener, der dem Grafen jahrelang treu gedient hatte, jedoch nicht sehr viel Lohn dafür bekam, dachte sich nun: "Der Graf braucht sein Silberbein nicht mehr, aber mir kann es noch nützen und für die jahrelangen Dienste wäre das ein gerechter Lohn!". Also tauschte er kurzerhand sein Holzbein gegen das Silberbein aus.

Als es Nacht wurde, verschloss der Diener wie immer alle Fenster und Türen des Schlosses. Etwas unheimlich war ihm ja nun schon zumute. Niemand weit und breit, nur das Rauschen des Waldes, das Knistern des Kaminfeuers und hin und wieder das Heulen eines Wolfes in der Ferne.

Der Diener legte sich ins Bett und schlief alsbald ein. Um Mitternacht schreckte der Diener plötzlich auf. Hatte er nicht etwas gehört? Ja! Jetzt hörte er es ganz deutlich. Ein erst leises, dann immer besser hörbares Tock-Tock-Tock. Dieses Geräusch kam näher und näher und näher...

Dem Diener wurde ganz anders. Wer mag da draußen sein? Er hatte doch alles verschlossen! Oder doch nicht? Ohje - jetzt hörte er eine Stimme. "Wo ist mein Silberbein ! Wo ist mein Silberbein !" es war die Stimme des verstorbenen Grafes. Eigentlich sollte der ja in seiner Gruft im Schlosskeller liegen. Dem Diener wurde ganz anders. Doch so schnell wie der Spuk begonnen hatte, so schnell war er vorüber.

Gleich am nächsten Tag, nach einer sehr unruhigen Nacht und schaurigen Träumen, permanent verfolgt vom alten Grafen, machte sich der Diener daran, alle Schlösser zu erneuern und alles zu sichern. Besonders sorgfältig wurden die Türen zur Gruft und Keller abgeschlossen und verriegelt.

Mit einem etwas unwohlen Gefühl legte sich der Diener abends in seiner Kammer unterm Dach ins Bett. Und es geschah wieder. Genau um Mitternacht wurde er wieder von einem sich nähernden Tock-Tock-Tock-Geräusch geweckt. Die Schritte kamen näherund näher und blieben genau vor seiner Kammer stehen.

Schweißgebadet lag der Diener in seinem Bett. Jetzt bewegte sich die Türklinke langsam nach unten. Ganz deutlich hörte er nun auch die vertraute Stimme des Grafen: "Wo ist mein Silberbein ! Wo ist mein Silberbein ?" Der Diener bekam fast einen Herzstillstand. Die Decke übers Gesicht gezogen rührte er sich nicht. Plötzlich viel die Tür ins Schloss und der Spuk war wieder zu Ende. Erleichtert atmete der Diener auf.

Am nächsten Morgen wurden die Vorkehrungen noch verbessert. Nun brachte der Diener gleich 2 zusätzliche Schlösser an seiner Türe an und schob eine alte Diele unter den Türgriff. Trotzdem um Mitternacht das selbe Spiel. Genau um Mitternacht wurde er wieder von einem sich nähernden Tock-Tock-Tock-Geräusch geweckt. Die Schritte kamen näherund näher und blieben genau vor seiner Kammer stehen.Trotz Schlösser und Diele öffnete sich wieder die Türe. Schweißgebadet lag der Diener wieder im Bett, noch weiter unter der Decke verkrochen.

"Wo ist mein Silberbein ! Wo ist mein Silberbein ?" hörte derden alten Grafen sagen und dabei immer näher kommend. Nun musste er ganz dich an seinem Bett stehen

- der Diener hielt den Atem an - - wieder mit tiefer Stimme hörte er: "Wo ist mein Silberbein ! Wo ist mein Silberbein ?".... (kurze Atem - Pause)

"Daaaaaa ist mein Silberbein !"


Na???Habt ihr euch schon vor Angst in die Hosen geschissen!!!Ich hoffe mal nicht denn hier gehts noch weiter!!hihihiihihi


UNHEIMLICH-DIE ERSTE NACHT IM ZELT

In einer Gegend, wo sich die Füchse „Gute Nacht" sagen, bauten wir das Zeit auf, weit oben am Hang. Ein Windstoß hätte es davon gepustet, doch wir waren froh, daß es überhaupt stand, und krochen hinein. Der Boden hauchte eine nasse Kälte aus. Es war unsere erste Nacht im Zelt; und weil wir zwölfjährige Knirpse waren, dachten wir, das alles müßte so sein, und heuchelten Begeisterung. Wir lagen Rücken an Rücken wie zwei hochkant stehende Bretter. Die Kälte kroch bis ins Mark; und wir schwiegen endlich, weil wir keinen Satz mehr herausbrachten, ohne dabei mit den Zähnen zuklappern.

Dann lugte der Mond zwischen den Waldbergen hervor, und in seinem fahlen Licht sah ich den Mann, der auf unser Zeit zukam. Er war noch weit entfernt. Seine Umrisse verschwammen bisweilen in den Nebelschleiern, die über den Boden geisterten. Der Schreck fuhr mir so in die Knochen, daß ich der Erscheinung starr entgegen sah und nicht den kleinen Finger rühren konnte. Der Wind trieb sein Spiel mit den Nebelschwaden und den Gräsern, die im Mondlicht zerrannen und wechselten die Konturen. Bald schien die Gestalt zu einem riesenhaften Berggeist anzuwachsen, der im Begriff war, über das Zelt hinwegzustampfen, dann schrumpfte sie zusammen, schien ein boshaftes Männchen zu sein, das lautlos auf uns zuschlich. „Rolf" - Endlich hatte ich den Namen meines Freundes herausgewürgt. „Ein Mann!" Ich krächzte wie ein Rabe. Rolf, zutiefst entrückt, war der vernünftigen Ansicht, daß mich ein Traum genarrt habe und kostete die Situation weidlich aus. „Wo?" quetschte er darum kurz und trocken hervor. Es klang gekonnt lässig und schläfrig. So reagieren Männer, die bei Wind und Wetter im Freien nächtigen und an umher schleichende Räuber gewöhnt sind. Ein solcher Mann war Rolf. Er wälzte sich herum und warf einen kurzen Blick nach draußen, „ichsehe keinen Mann", murmelte er sichtlich erleichtert.

Seine Ruhe schien anzustecken. Vielleicht war das Ganze doch nur ein böser Spuk? Gerade da richtete sich der Mann drohend empor und war wieder leibhaftig da, daß ich erneut zusammenfuhr.„Da kommt er! Rolf, siehst du ihn nicht?" wisperte ich. Wir lagen Kopf an Kopf. Rolf spähte aufmerksam in die gleiche Richtung. Ein heftiger Ruck ging durch seinen Körper, und ich merkte daran, daß er den Mann gesehen hatte. „Er kommt hierher!" sagte Rolf mit unterdrückter Stimme, und nun war er es, der wie ein Rabe krächzte. „Sei doch still! Wenn er uns nicht hört, geht er vielleicht vorbei!" Das war ein klägliches Argument. Die Karte biß in die Augen, daß sie tränten. Stundenlang, so schien es uns, stand der Mann wie festgenagelt, um dann zögernd zwei, drei Schritte näher zu kommen.

Der Mond verblaßte. In das trübe Grau mischten sich matte Farbtöne. Das erste verschlafene Gezwitscher der Vögel kam aus dem Tal herauf, und über dem Hang wölbte sich der Himmel in einem milden Licht. - Da bückte sich der Mann, und als er sich mühsam aufrichten wollte, fiel ihm ein großer, schwerer Wassertropfen von der Nase. Wild starrte ich auf den Mann, reckte den Kopf weit hinaus, und meine Hand mit den gespreizten Fingern fuhr wie ein Florettdegen zwischen die Gräser. Wütend riß ich einen Halm samt Wurzel aus der Erde und hob ihn triumphierend in die Höhe.„Hier, Rolf! Hier ist der Mann I" schrie ich laut in den frühen Morgen hinein. Als wir dann den Mann genauer betrachteten, da war es ein Kreuzwurzelstengel. „Wilder Weizen", meinte Rolf sachkundig. Unser Blick fiel auf die durchsonnten Höhen jenseits des Tales; die erste Nacht im Zeit war überstanden!

Es geht weiter mit dem Grauen

Eines Nachts – ich muß so um die 10Jahre alt gewesen sein – ging ich zu Fuß die paar Kilometer zwischen Gevenich und Faid durch den Wald nach Hause. Ich kam von einem Junggesellenfest und hatte schon das ein oder andere Bier zuviel getrunken, war also nicht mehr der sicherste auf den Beinen. Da aber Vollmond war, sah ich noch recht viel und kam auch ganz gut voran. Bis zu diesem Tage machte es mir nichts aus, alleine und noch dazu nachts durch den Wald zu gehen... Ich hatte schon mehr als die Hälfte meines Weges zurückgelegt, da hörte ich plötzlich hinter mir schnelle Schritte. Noch bevor ich mich umdrehen konnte, um nach zu sehen, wer da vielleicht noch vom Fest aus durch den Wald nach Hause wankt, sprang mir plötzlich dieser Jemand ins Kreuz, hielt sich an mir fest und blieb "huckepack" auf meinem Rücken hängen. Natürlich dachte ich zuerst an einen schlechten Scherz meiner Freunde. Sie hatten mich bestimmt heimlich verfolgt und wollten sich totlachen, wenn ich vor Schreck anfinge zu schreien oder mir in die Hose mache würde! "Na Klasse! Toll gemacht von Euch!",rief ich also in den Wald, noch immer meine Last auf dem Rücken tragend, ohne erkennen zu können, wer es denn nun war. Ich bekam keine Antwort. Da mir mein Gast auf dem Rückenaber nun langsam zu schwer wurde und ich keine Lust hatte, auch noch mit ihm zu stolpern und meine Kleidung zu verdrecken, versuchte ich die Last abzuschütteln. Wer immer es auch war,er klammerte sich mit einem unheimlich festen Griff an mir fest und sagte kein einziges Wort. "Na gut, ihr habt mich zu Tode erschreckt. Ich zittere vor Angst. Ihr könnt euch jetzt zeigen!", rief ich erneut in den dunklen Wald, ohne jedoch Antwort zu bekommen. Da mein Passagier immer noch nichts sagte, versuchte ich, ihn zum Reden zu bringen. "Wer bist du? Was soll das?", fuhr ich ihn an. Keine Antwort. Soweit ich mich umdrehen konnte –daran, ihn abzuschütteln war immer noch nicht zu denken– erkannte ich jedoch einen Mann von vielleicht 60 Jahren mit einer Bekleidung, die mehr als nur altmodisch war. Er trug einen weiten Umhang und einen breitkrempigen Hut, der fast sein ganzes Gesicht verdeckte. Er schien mich und meine Anstalten ihn loszuwerden gar nicht zu beachten! Ich war jetzt auf 180! "Sofort los lassen! Jetzt reicht's aber!", rief ich und schüttelte mich wie wild hin und her. Kein Erfolg. Der Kerl saß immer nochfest wie angewachsen und sagte keinen Ton. Von meinen Freunden, die ich ja anfangs hinter der ganzen Sache vermutete, war nichts zu entdecken. So langsam wurde mir das alles unheimlich und ich beschleunigte meinen Schritt trotz der Last, um wenigstens aus dem Wald heraus zu gelangen. Vielleicht war in Faid ja noch jemand so spät unterwegs, der mir helfen könnte – oder die Lichter des Ortes würden den Mann auf meinem Rücken vertreiben!

Als ich noch nicht ganz aus dem Wald herausgetreten war, war meine Last plötzlich verschwunden. Obwohl ich mich sofort umdrehte, sah ich nichts mehr von meinem unheimlichen Begleiter. Es knackte noch ein paar mal etwas weiter entfernt im Unterholz, dann war Ruhe. Ich setzte meinen Weg nach Hause fort und grübelte darüber nach, ob ich vielleicht so betrunken war, daß ich mir das alles nur eingebildet hatte. 'Nein. So viel hast du nun wirklich nicht getrunken', dachte ich noch, bevor ich dann endlich zu Hause im Bett lag und einschlief.

Nach ein paar Tagen war ich der festen Überzeugung, mir das alles nur eingebildet zu haben. Eines der Bierchen auf dem Fest war wohl schlecht gewesen... Zwei Wochen später fand in unserem Ort die Kirmes statt. Nach dem Festumzug setzte ich mich mit meinen Freunden in das Festzelt und wir hörten der Blasmusik zu und erzählten uns dies und das. Am Nachbartisch saßen ein paar ältere Männer bei ihrem Bier und unterhielten sich– infolge der Musik und ihrer vereinzelten Schwerhörigkeit – so laut, daß ich fast alles mithörten konnte. "Ja, ja. Lügen haben kurze Beine!",rief einer von ihnen – worüber sie gerade redeten,wußte ich ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt leider nicht. "Und der alte Scheffe springt dir auf den Buckel!", entgegnete ein anderer und alle lachten laut los. Wie? Was? Wer springt hier wem auf den Rücken? Ich zuckte zusammen, plötzlich dachte ich wieder an mein Erlebnis im Wald. Ich tat, als wäre nichts geschehen und wandte mich wieder meinen Freunden zu.

Als es später wurde, löste sich die gesellige Runde der alten Männer allmählich auf. Gegen 23 Uhr war nur noch der 72jährige Willi Schmitz übrig, der wohl noch ein wenig der Musik lauschen wollte. Ich bestellte zwei Bier und trat an seinen Tisch. "Darf ich mich zu euch setzten?", sprach ich ihn an und er nickte. Als unsere Gläser gebracht wurden fragte er,wie er denn zu der Ehre käme, eingeladen zu werden. "Ich habe eine Frage an dich, und ich hoffe du kannst sie mir beantworten.", sagte ich ihm geradeheraus. "Aber gerne doch. Wenn ich für jede Frage, die du mir stellst, ein Bier bekomme, können wir noch lange sitzen bleiben!", lachte er. "Ich habe eben zufällig gehört, wie einer an eurem Tisch sagte,daß jemandem der alte Scheffe auf den Buckel springen würde und darauf alle gelacht haben. Was hat es mit diesem Spruch auf sich?", fragte ich Willi Schmitz. "Ach, das ist ein alter Spruch, wenn jemand schwindelt. Den gibt's auch nur in Faid und Gevenich soweit ich weiß. Was ein Scheffe ist, weißt du doch hoffentlich?" Ich nickte. "Scheffe" ist die volkstümliche Bezeichnung für den Bürgermeister und stammt wohl ursprünglich von dem heute noch gebräuchlichen Wort "Schöffe" ab, was aber einen Beisitzer bei Gericht meint. "Nun, das ist eine alte Geschichte vom Ende des 17. Jahrhunderts. Mir hat sie meine Großmutter vor nun bestimmt schon 65 Jahren erzählt. Die meisten älteren Leute im Ort kennen sie noch – aber ihr jungen Leute...""Bitte! Erzähle sie mir!", fast flehte ich ihn an. Jetzt war ich neugierig geworden. Er fuhr fort zu erzählen. Im Jahr 1686 gab es einen Streit zwischen den Gemeinden Faid und Gevenich um ein kleines und eigentlich unbedeutendes Stück Wald, welches auf der Grenze zwischen den beiden Gemarkungen gelegen ist. Der Streit kam auf, als ein Gevenicher Bürger das Geweih eines kapitalen Hirsches in diesem Waldstück fand und mit nach Hause nahm. Es stammte von einem seltenen Zwölfender und sollte über dem Eingang der Gevenicher Amtsstube angebracht werden. Ein Mann aus Faid jedoch hatte dies gesehen. Er forderte das Geweih für seinen Ort ein, da es ja – seiner Ansicht nach – auch im Faider Wald gefunden worden sei.

Die Bürgermeister und die Pfarrer beider Orte wurden zur Schlichtung herbei gerufen, ohne jedoch, daß es zu einer Einigung kam. Auch in den Unterlagen über die Grenzen und Besitztümer der Gemeinden fand sich nichts, was die Zugehörigkeit des kleinen Waldstückes festlegte. Da aber nun auch keiner der Amtsträger auf die Vergrößerung seines Ortes – und sei es auch nur um diesen kleinen Flecken– verzichten wollte, brach ein regelrechter Streit zwischen den beiden Nachbargemeinden aus, der über Wochen andauerte.

Als dies nun in der Kreisstadt Cochem bekannt wurde, setzte der Amtsrichter Cornelius einen Ortstermin an dem betreffenden Wäldchen an, an dem die Beteiligten ihre Besitzansprüche vortragen sollten. Nach den vorgebrachten Argumenten, werde er dann entscheiden, zu welchem Ort der Wald gehöre, oder ob er zwischen beiden Orten aufgeteilt werde.

Zum verabredeten Zeitpunkt trafen sich also Richter Cornelius, die Pfarrer beider Orte, der Faider Bürgermeister Clemen sMühlen und auch viele einfache Leute aus Faid und Gevenich im Wald. Nur Hieronimus Kessler, der Scheffe von Gevenich, war nicht zu sehen. Er hatte sich wohl verspätet und so wartete man noch ein wenig auf sein Eintreffen." "Und dann?", gebannt hing ich an den Lippen von Willi Schmitz. Ich bestellte noch zwei Bier. Der alte Mann trank einen kräftigen Schluck, sah mich zufrieden an und erzählte weiter. Als man gerade ohne Hieronimus Kessler anfangen wollte, die Sachlage zu klären, erschien der Gevenicher Bürgermeister doch noch. Außer einem für diesen Anlaß eigentlich unpassenden großen Zylinder und hohen Reitstiefeln trug er ein geradezu unverschämtes Grinsen im Gesicht. Der Amtsrichter begann mit der Befragung der einzelnen Beteiligten. Immer noch wunderten sich alle über den überlegenen Gesichtsausdruck des Scheffen Kessler. Er galt als äußerst gerissener Mann. Was mochte er wohl im Schilde führen? Als nun die Reihe an ihm war, sich zuäußern, trat er in die Mitte der Menge und sah die Umstehenden triumphierend an. Er hob die rechte Hand zum Schwur und sprach mit kräftiger Stimme: "So wahr, wie der Schöpfer über mir ist, so wahrhaftig stehe ich auch hier auf Gevenicher Land!"

Der Fall war entschieden. Einem Schwur auf Gott den Allmächtigen war nichts entgegenzusetzen und so wurde die Versammlung damit beendet, daß der Protokollführer des Richters ein Schriftstück aufsetzte, in dem das Waldstück der Gemeinde Gevenich zufiel.

Da der Herr Scheffe Kessler hier vor angesehen Leuth seyn hochheylig Schwuhr that,ißt die Streytfrag gelöset, welcher der zwey Gemeyndendas Stueckchen Wald zwischen Faid und Gevenich zusteht. Bis zumjüngsten Gerichthe des allmächthigen Herren also soll eszu Gevenich gehören. Im Jahre des Herren 1686, am siebzehntenJuley gezeichnet vor vielerley Zeugen.

stand in der Urkunde, die Richter Cornelius sofort aufsetzen und unterzeichnen ließ. Zwei Wochen nach diesem denkwürdigen Tag, erkrankte Hieronimus Kessler schwer. Nur fünf Tagespäter war abzusehen, daß er diese Erkrankung nicht überleben würde, obwohl er eigentlich ein Mann mit einer ungewöhnlich guten Konstitution war. Als der Priester des Ortes zu ihm gerufen wurde, um dem Bürgermeister ein letztes Mal die Beichte abzunehmen und dem Todgeweihten die Sterbesakramente zu geben, machte Kessler diesem ein Geständnis.

"Ich habe den Herrn geschmäht und verraten mit meinem unheiligen Schwur. Dies ist die Strafe für alles!", schluchzte er."Was meinst du, mein Sohn?", fragte der Pfarrer. "Ihr wart doch dabei, Hochwürden. Der Schwur im Wald. Ich lästerte Gott vor euer aller Augen und Ohren." "Wie das?", fragte der Geistliche, der den Schwur ja selbst erlebt hatte. "Erinnert ihr euch an den Zylinder den ich trug? Unter ihm versteckt hielt ich die Schöpfkelle meiner Frau – das war 'der Schöpfer, der über mir ist',", heulte er auf, "und das 'Gevenicher Landauf dem ich stehe' stammte aus meinem Garten und steckte in meinen Reitstiefeln...!" Der Bürgermeister starb noch am selben Tage. Da der Pfarrer ein geschwätziger Mann war und das Geständnis Kesslers nicht während der Beichte fiel, machte die List des Gevenicher Scheffen schnell die Runde. Obwohl einige Bürger aus Faid diesen nun anfechten wollten, blieb der Rechtsakt über den Wald bis in die heutige Zeitgültig.

Die Geschichte von dem unheiligen Schwur des Bürgermeisters wäre wohl vergessen worden, wenn ihn nicht einige Leute in den folgenden Jahren in eben diesem Waldstück gesehen haben wollten. Den Aussagen dieser Zeugen nach, versuche sein Geist dieses Stück Wald zu durchqueren, ohne einen Fuß auf den Boden zu setzen. Er springe dann einfach jemandem auf den Rücken und lasse sich tragen. Daher auch dieser Spruch, mein Junge." Willi Schmitz trank erneut und lachte mich an. Ich bedankte mich bei ihm und ging bald darauf nach Hause. Die Kirmes war jetzt für mich beendet und das Waldstück zwischen Faid und Gevenich habe ich seitdem nie mehr betreten...






MUTPROBE

Hirschklaue und Schneller Falke wanderten träge am Ufer des großen Stromes entlang. Es war einheißer, ermüdender Frühlingstag. Die Sonnenstrahlenverdunsteten das Wasser aus den Sümpfen in der nahen Ebene.Das machte die Luft schwül und lahmte jede Tätigkeit.Trotzdem entging den Augen der beiden Jungen vom Stamme der Mohikaner nichts von dem, was sich unterwegs ereignete. Sie sahen die Forellen, die in einem Flußtobel gegen das strömende Wasser anschwammen. Sie entdeckten das Reh, das noch sein Winterfell trug, ehe es sich hinter den dichten Erlenbüschen verbarg, die am Rande des Sumpfes wild und üppig wucherten.Auch den Adler beobachteten sie, der majestätisch über dem Gipfel des Berges zu ihrer Rechten schwebte. Sein heiseres Geschrei war der einzige Laut neben dem Rauschen des Flusses, der sich hier am Fuße des Berges sein Bett durch das Gestein gegraben hatte. In tosenden Wirbeln" sprang die Flut über die Felsblöcke, die aus der Bergflanke heraus gebrochen und in das Flußbett gepoltert waren. „Der Adler sucht nach Beute!"deutete Hirschklaue das Geschrei des Raubvogels. „Ich bin froh, daß ich kein Kaninchen bin", setzte er hinzu. Der große Vogel erinnerte Hirschklaue aber auch an etwas anderes.„Weißt du!" sagte er zu Schneller Falke, „seit wir unseren Club gegründet haben, hat uns Adlerfeder immer mit Bewunderung beobachtet. Ich glaube, daß er gern zu uns gehören würde." — „Vielleicht sollten wir ihn zu unserem geheimen Treffpunkt einladen", setzte er hinzu.„Ich hätte jedenfalls nichts dagegen, wenn er sich unserer Sippe anschließt."

Adlerfeder war unter seinen Altersgenossen beliebt. Beim Spiel war er draufgängerisch, dabei aber immer fair. Wo es zuzupacken galt und wo man seine Hilfe brauchte, zögerte er nie. Erst vor ein paar Tagen hatte er ein kleines Mädchen gerettet, das beim Spiel in den Fluß gefallen und in die Stromschnellen getrieben worden war. Obwohl Adlerfeder die Gefahr kannte, die ihm in den Wirbeln und Strudeln drohte, hatte er keinen Augenblick gezögert, dem Kinde nach zu springen. Er hatte schwer zukämpfen gehabt. Aber dann konnte er das lange Lasso fassen,das ihm ein paar Männer des Stammes zuwarfen. Völlig erschöpft, aber glücklich über die gelungene Rettung, hatten sie ihn ans Ufer gezogen. Trotzdem zögerte Schneller Falke mit einer Antwort. Solche Dinge mußten sorgfältig überlegt werden. Nicht umsonst hatte die Gruppe geschworen, ihr Geheimnis zu hüten, und die Aufnahme neuer Mitglieder niemals zu übereilen. „Ich bin auch damit einverstanden, daß Adlerfeder ein Glied unserer Sippe wird", sagte er schließlich. „Aber es scheint mir nicht weise, wenn wir ihn gleich zu unserem geheimen Treffen einladen. Laß uns erst mit den anderen reden und dann beschließen, was zu tun ist."

An diesem Abend, kurz nach Eintritt der Dunkelheit, trafen sich eine Anzahl Indianerjungen an ihrem geheimen Treffpunkt. Sie alle gehörten zum Stamme der Stockbridge-Indianer, der sich vor vielen Monaten an dem großen Flusse angesiedelt hatte. Durch ihre Großväter und Väter wußten die Jungen aber von der ruhmreichen Vergangenheit ihrer Ahnen. Diese siedelten vor langer, langer Zeit an den Ufern des Hudson und gehörten zu den ersten Rothäuten, die den Weißen begegneten, als diese mit ihren „Großen Kanus" über das große Wasser gekommen waren. Abends erzählten die Alten am Lagerfeuer von den Heldentaten der Mohikaner. So hatte sich ihr großes Volk damals genannt; und unter diesem Namen war es beiden Weißen berühmt und gefürchtet gewesen. In Erinnerung an diese Zeit hatten die Jungen ihrem Club den Namen gegeben: Die Mohikaner. Und keiner sollte zu diesem Club gehören, der sich nicht durch eine besondere Tat ausgezeichnet hatte. Es war eine mondlose Nacht. Der Schein des Lagerfeuers konnte nicht durch den dichten Wald dringen. Dennoch fanden die Jungen ihren Weg durch beinahe undurchdringlichen Forst.„Warum hat die Eule geschrien?" fragte einer, als keiner der schweren Steine mehr leer war, die die Jungen in mühsamer Arbeit herbeigeholt und als Sitze im Ring aufgebaut hatten.„Ich schlage vor, daß wir Adlerfeder zu unserem Mitglied machen!" sagte eine Stimme aus der Finsternis heraus.„Ich bin einverstanden!" „Einverstanden!"

„Das wollte ich auch schon vorschlagen!" klang es von den verschiedenen Plätzen. „Wie sollen wir ihn einführen?" fragte die erste Stimme wieder. „Wer hat einen guten Vorschlag?" „Laßt ihn ein paar Tage lang allein im Walde schlafen!" schlug Schneller Falke vor. Es gehörte schon Mut dazu, außerhalb des Indianerdorfes ein paar Nächte im wilden Forst zu hausen, denn es konnte durchaus geschehen, daß sich im Dunkel der Nacht ein Bär oder ein Wolf an das Waldlager heranschlich. Aber seit der Stamm seine Tippis in der Flußniederung aufgeschlagen hatte, war das weniger wahrscheinlich. „Das ist zu leicht!" entgegnete darum Silberner Wolf. „Stellt ihm die Aufgabe, in den Sümpfen eine Klapperschlange zu fangen", schlug er selber vor. Alle wußten, daß eine Portion Mut dazu gehörte, dem giftigen Reptil nachzustellen und es schließlich zu greifen.Darum äußerten sich einige zustimmend. Aber da kam nochein anderer Vorschlag: „Laßt ihn ein paar Eier aus dem Adlernest holen!" sagte eine Stimme, die bisher nicht zu hörengewesen war. „Ja, laßt ihn Adlereier holen!" stimmte Hirschklaue zugleich zu. Schnell schlössen sich ihm die anderen an: „Jawohl! Er soll die Eier aus dem Adlernest holen!" Noch in der Nacht wurde Adlerfeder von dem Beschluß der Sippe unterrichtet. Um Mitternacht schrie vom Rande des Waldes her eine Eule. Ein Dutzend Jungen hatten auf diesen Ruf gewartet. Nun wußten sie: Adlerfeder war bereit, das zu tun, was ihm als Aufgabe gestellt worden war. Am nächsten Morgen, die Sonnestand noch so tief, daß ihre Strahlen erst den Gipfel des hohen Berges beleuchteten, waren die Jungen schon unterwegs. Auf steilen, aber wohlbekannten Pfaden stiegen sie zur Höhe des Gebirgsstockes, in ihrer Mitte Adlerfeder, der seinen Mut beweisen sollte, ehe man ihn zum Mitglied der Mohikaner erklärte. Nachlangem, mühsamem Aufstieg erreichten sie eine Felsenklippehoch über dem Platz, auf dem die Adler ihren Horst gebaut hatten. Einer der Jungen entrollte ein langes Tau, das er bisher über den Schultern getragen hatte. Ein anderer band Adlerfeder einen kleinen Korb auf den Rücken, in den sollte er die Adlereier legen, wenn er den Horst der Vögel erreicht hatte. Wenige Augenblicke später stand Adlerfeder in der Schlinge, die man ans Ende des Taus geknotet hatte, und rutschte über die Kante der Felsklippe, auf der die anderen standen und das Seil hielten. Schnell ließen sie es jetzt durch ihre Händegleiten. Adlerfeder sah nichts mehr von den Kameraden. Nur einer der Jungen stand seitlich auf einem Platz, von dem aus man Adlerfeder bei seinem kühnen Wagnis beobachten konnte. Durch ein Handzeichen sollte der bestimmen, wenn die Kameraden anzuhalten hatten. Noch glitt Adlerfeder an dem sicheren Tau vor der rotbraunen Felswand tiefer und tiefer. Aber jetzt konnte er das Adlernest sehen. Die steilabfallende Wand war hier ein gutes Stück nach innen eingeschnitten. Unter dem überhängenden Fels aber öffnete sich noch eine mehrere Meter breite und mannshohe Höhle. In diese Felsennische hinein, gedeckt vor Regen und stürmenden Winden, die vom Berg her kamen, hatten die Adler aus Knüppeln und starken Reisern ihr Nest gebaut. Es war ein ausgezeichneter Nistplatz. Von den Raubvögeln war keiner im Horst. Mit Bedacht hatten die Jungen für das Unternehmen ihres zukünftigen Mitgliedes die Zeit gewählt, in der die Adler ausflogen, um Beute zu suchen. Deutlich sah Adlerfeder die zwei gesprenkelten Eier auf dem Grunde des Horstes, die er holen sollte. Schon hatte er mit der rechten Hand das Tau losgelassen und gab das verabredete Zeichen. Im nächsten Augenblick hing er, nur wenig an seinem Tau pendelnd, vor dem Sims mit dem Horst der Adler. Wenn er das Nest erreichen wollte, mußte er sich jetzt an seinem Tau hin-und her schwingen und im rechten Augenblick auf die Felsplatte hinüber springen. Einen Augenblick schaute er in die Tiefe. Am Fuße der steilen, von spitzen Graten durchzogenen Felswand sah er das blinkende Band des strudelnden und schäumenden Stromes. Für den, der hier abstürzte, gab es nur eines: den sicheren Tod. Aber der Gedanke daran kam Adlerfeder nicht. Seine Kameraden hielten das Seil. Er konnte sich auf sie verlassen. Alles andere war seine eigene Sache. Auch angesichts dieser Lage kam ihm keine Furcht. Mit den Augen maß er noch einmal die Entfernung zu dem Steinsims, auf dem er festen Fuß fassen mußte, wenn er das Seil losließ. Wenn er sich verschätzte... Er rückte den Korb auf dem Rücken zurecht, damit er ihn bei dem kühnen Sprung vom Seil nicht behindern konnte. Beide Hände schloß er jetzt fest um das Tau. Dann nahm er den Fuß aus der Schlinge und begann zu pendeln. Ein Schwung — schon gelangte er unter den Felsvorsprung, der sich wie ein vorspringendes Dach über dem Adlerhorst wölbte. Er pendelte nach draußen zurück,gab sich einen weiteren Schwung, kam näher an den Platz heran, den er erreichen mußte, schwang zum drittenmal hin und her, beim viertenmal ließ er das Seil los, und flog auf den harten Fels. Der Stoß warf ihn auf die Knie. Mit beiden Händengriff er nach einem Halt, faßte einen Buckel im Gestein, er hatte das Ziel erreicht. Hinter ihm schwang das leere Tau in derLuft. Adlerfeder drehte sich um und sah es pendeln. Er wußte,daß er nur mit Hilfe diese Seiles den Platz wieder verlassen konnte, auf den er so kühn und unerschrocken gesprungen war.Es gab keinen Weg nach oben. Und obwohl ihm so schnell vor nichts graute, vorher beim Blick in die Tiefe war ihm klar geworden,daß man über die riesige Steilwand nicht hinunterklettern konnte, ohne bei jedem Schritt seinen Hals zu riskieren. Das Tau schwang immer noch — hin und her. Aber, befreit vom Gewicht, kam es nicht mehr so nahe heran.

Da erst durchfuhr Adlerfeder von der Zehe bis zur Kopfhaut der Schreck: Wenn das Seil ausgeschwungen hatte, war es völligunmöglich, von dem Horstplatz aus wieder an das Tau heranzukommen. Der Sprung nach dem Tau konnte nur mit dem Sturz in die schaurige Tiefe enden. Die Rettung war allein möglich,wenn er augenblicklich einen Entschluß faßte. Droben auf der Felsenklippe standen die Jungen, die ihren Kameraden in dieses Abenteuer geschickt hatten. Als sie über den Beobachter das Zeichen bekamen, daß Adlerfeder tief genug abgeseilt worden war, hatte der letzte Mann am Tau das Seilende zur Sicherung schnell um einen Felsblock geschlungen. Was Adlerfelder unternahm, konnte keiner von ihnen sehen. Auch am Rande der Felsplatte stehend, verbarg ihnen das überhängende Gestein den Blick auf den Schauplatz des waghalsigen Unternehmens. Aber gerade dadurch wurde ihnen klar, welcher gefährlichen Lage sie Adlerfeder aussetzten, als sie ihm die Aufgabe stellten, als Beweis seines Mutes, die Eier aus dem Felsennest der Adler zu holen. Da war keiner, dem in diesem Augenblick nicht das Gewissen schlug. „Was sollen wir dem Häuptling sagen, wenn er nicht heil zu unserem Dorf zurück kehrt", dachte Hirschklaue.

„Wie kann ich seiner Mutter unter die Augen treten, wenn das Unternehmen mißlingt", ging es Schneller Falke durch den Sinn. Die Tipis von Adlerfeders und Schneller Falkes Eltern standen im Dorf direkt nebeneinander.

„Wie die kleinen Kinder haben wir gehandelt", schalt sich im Geheimen ein anderer, „weil wir gar nicht daran dachten, daß die alten Adler um diese Zeit zu ihrem Horst zurück kommen könnten. Adlerfeder hat nicht mal ein Messer im Gürtel und schon gar keine Tomahawk, mit dem er sich gegen die Krallen und spitzen Schnäbel der großen Raubvögel wehren könnte."

„Wir haben eine große Dummheit gemacht", sagte Silberner Wolf ehrlich, der den Vorschlag mit der Mutprobe am Adlerhorst gemacht hatte. Adlerfeder muß nun sehen, was er tun kann, damit uns nicht die Verachtung und Strafe unseres ganzen Stammes trifft."

Ein Schrei schreckte sie auf. Weißer Vogel, der Adlerfeder beobachtet hatte, stieß ihn aus. Irgend etwas geschah, was die Jungen von ihrem Platz aus nicht sehen konnten. Aber dann spürten sie schon einen Ruck am Seil, sie merkten, daßes sich straffte, Adlerfeder mußte es wieder erfaßt haben und mit seinem ganzen Gewicht an dem Tau hängen. Adlerfeder hatte sich in Sekundenschnelle entschieden. Auch ihm war es durch den Sinn gegangen, was geschehen könnte, wenn er etwa darauf warten mußte, daß ihn die Kameraden aus seiner schwierigen Lage befreiten und wenn die Adler inzwischen von ihrem Beuteflug zurückkehrten. Außerdem gab es von der Felsennische aus, in der er kauerte, keinerlei Möglichkeit,sich mit den Freunden zu verständigen. Augenblicklich mußte er zurück! Er tat den Freunden bestimmt keinen Gefallen, wenn er nicht die letzte Möglichkeit zu einem schnellen Rückzug ausnutzte und sich wieder hinaufziehen ließ. Die Adlereier mitzunehmen blieb keine Zeit. Flink streifte er darum den Korb von seinem Rücken. Alle Muskeln straffend, einer gespannten Bogensehne gleich, beobachtete er das nur noch schwach schwingende Seil. Jetzt oder nie! Mit einem kräftigen Sprung warf er sich nach vorn in die Luft. Mit beiden Händen griff er fest in das starke Tau. Er rutschte ein Stück ab. Feuer brannte ihm in den Handflächen. Aber er verbiß den Schmerz. Hauptsache, es war geschafft. Einen Augenblick hing er bewegungslos an dem gestrafften rettenden Seil, dann zog er sich ein Stück nach oben und setzte seinen Fuß in die sichere Schlinge. Er winkelte den linken Arm um das Tau und gab mit der Rechten dem Beobachter ein Zeichen. Erhörte dessen Schrei. Gleich darauf zogen die Kameraden an. Meter um Meter entfernte er sich von dem Platz, auf dem die Adler ihr Nest gebaut hatten.

Adlerfeder rechnete damit, daß ihn die Jungen nicht in ihre Sippe aufnehmen würden, weil er seine Aufgabe nicht gelöst hatte. Aber nie zuvor war es ihm so klar gewesen, daß er richtig gehandelt hatte. Mochten sie ihn verurteilen. Er hatte auch für sie sein Leben eingesetzt, als er im letzten möglichen Augenblick nach dem pendelnden Seil sprang.

Als ihn zwei oder drei der Jungen das letzte Stück über die Kante der Felswand heraufzogen, sah er schon an den Gesichtern der Kameraden, daß niemand daran dachte, ihn zu richten. Über die Adlereier fiel kein einziges Wort. Sie alle waren glücklich, daß er, abgesehen von seinen zerschundenen Händen, heil unter ihnen stand. Eigentlich unnötig zu erwähnen: Adlerfeder wurde ein Mitglied der Mohikaner.




IM LABYRINTH DER HÖHLE

Drei rothäutige Jungen sprangen gewandt von Stein zu Stein,um den kleinen Fluß zu überqueren, der sich nicht all zu weit von der Niederlassung der Mohikaner durch das Land schlängelte. Der Indianerstamm hatte hier für den Sommer seine Wigwams aufgeschlagen und die Jungen waren eifrig dabei, die Wälder und Berge rings um ihren Lagerplatz aus zu kundschaften. Im klaren Wasser des Flusses spiegelte sich der tiefblaue Himmel. Große Fische flitzten über den steinigen Grund des Stromes, silbernen Pfeilen gleich, wenn sie vom Licht der Sonne getroffen wurden. Es war ein prächtiger Tag für eine Erkundung. „Sicher finden wir dort drüben auf den Bergen eine Menge Beeren!" sagte Weißer Vogel, als sie über den Fluß waren. Und die beiden anderen waren dabei, als er auf die bewaldeten Berge zu lief. Eine ganze Weile verhielten sie sich schweigend. Aber ihre schwarzen Augen spähten aufmerksam umher. Überall entdeckten sie die Spuren von jagdbaren Tieren. Alles deutete daraufhin, daß der Stamm der Mohikaner in diesem Sommer keine Not zu leiden brauchte. Nach ein paar Stunden entschlossen sich die Jungen wieder zurück zu kehren. Sie hatten sich an den vielen Beeren sattgegessen, und ihre Hände waren rauh von der Kletterei über die Felsen. „Seht, wie der Regen die Bergwand ausgewaschen hat!" machte Adlerauge aufmerksam.„Da ist eine Höhle!" sagte Donnernde Wolke und deutete auf ein dunkles Loch im Berg. „Kommt! Die müssen wir uns noch anschauen, ehe wir heimlaufenl" Schon klommen die drei Jungen behende über den steinigen Hang und waren voller Spannung, was sie in der Höhle finden würden. Der Eingang war so groß, daß man bequem hineinkriechen konnte, „Es ist stockdunkel hier!" rief Donnernde Wolke, der als erster in das Loch gekrochen war. „Und es ist eine sehr große Höhle," setzte er gleich darauf hinzu, denn er hörte seine Stimme wie in einem großen Raum widerhallen. „Wir brauchen Fackeln" bestätigte Adlerauge, als er mit Weißer Vogel hinter den Kameraden in die Höhle gekrochen war.

Daheim machten sie die Neuigkeit schnell bekannt und erzählten, von vielen anderen Jungen beneidet, von ihrer Entdeckung. Sogleich wurde beschlossen, früh am anderen morgen aufzubrechen und die geheimnisvolle Höhle genauer zu erforschen. Über ein Dutzend Jungen brachen auch gleich nach Sonnenaufgang auf, geführt von Fliegender Pfeil, den der Häuptling zum Leiter der Expedition bestimmt hatte, nicht nur, weil er älter war als die anderen, sondern weil man wußte, daß er in allen Dingen bedachtsam handelte. Mit hochgehaltenen Fackeln krochen die Jungen einer hinter dem anderen durch den Höhleneingang und fanden sich schon nach wenigen Metern in einem weiten und hohen Raum, dessen entfernte Wände im Schein des roten Fackellichtes nicht deutlich zu erkennen waren.„Das scheint eine Riesenhöhle zu sein," sagte Fliegender Pfeil. „Wer weiß, wie tief sie in den Berg hinein führt. Wahrscheinlich können wir heute nur einen Teil auskundschaften. Dabei ist es aber unbedingt notwendig, daß wir alle zusammen bleiben", ermahnte er die auf Abenteuer erpichten Jungen. „Wenn sich einer entfernt, kann er sich leicht verlaufen und es kann ihm schlecht ergehen!" Wundervolle Farben schienen an den Höhlenwänden zu tanzen, wenn die Fackeln in der zugigen Höhle flackerten. Um den Weg zu markieren, legte Fliegender Pfeil ein paar Steine zu einer Pyramide zusammen. Einer hinter dem ändern folgten ihm dann die Jungen mit den qualmenden Feuerbränden. Große schwarze Fledermäuse kreisten plötzlich über ihren Köpfen und verschwanden wieder lautlos in der Finsternis. Es war ein wenig unheimlich, wenn die dunklen Flattertiere in das Licht der Fackeln gerieten und ihre riesigen Schatten auf den Boden oder an die nahen Wände warfen. „Hallo!" schrie einer von den Jungen, dem auch die Stille unheimlich wurde.„Hallol" kam das Echo deutlich zurück, und befreit lachten die Jungen über das lustige Spiel. „Das ist eine wundervolle Höhle!" wisperte Weißer Vogel seinem Kameraden Adlerauge ins Ohr, „Aber wenn wir mit den anderen gehen, kommen wir nur langsam vorwärts. Wenn wir drei allein wären, würden wir bestimmt mehr sehen."„Wahrscheinlich konnten wir geheime Gänge finden! Ich habe da drüben eine Kluft gesehen, die aus dieser großen Halle in die Felswand hinein führte", stimmte ihm Adlerauge zu. Heimlich zogen sie auch Donnernde Wolke auf die Seite und weihten ihn in ihren Plan ein. Als ein haushoher Felsblock im Wege lag, taten sie so, als ob sie dessen rauhen Wände besonders aufmerksam betrachteten und ließen die Gruppe an sich vorübergehen. Und als sie sicher waren, daß Fliegender Pfeil sie nicht mehr bemerken konnte, liefen sie schnell zurück und auf den Felsspalt zu, den Adlerauge entdeckt hatte. Dort tat sich ein breiter Weg auf mit sandigem Grund. Es sah so aus, als ob sie das Bett eines Baches gefunden hätten der im Augenblick kein Wasser führte. Nur hier und da lagen ein paar Gesteinstrümmer auf ihrem Wege und die drei Jungen kamen schnell voran. Dann entdeckten sie mächtige Gesteinssäulen, die wie Baumstümpfe vom Boden zur Decke wuchsen oder gleichmächtigen Eiszapfen von der Decke herunterhingen. Die Entdeckungen machten den drei Jungen viel Spaß. Was würden ihre Kameraden sagen, wenn sie ihnen davon berichteten.„Wir müssen schnell zurück!" sagte Donnernde Wolke plötzlich. „Unsere Fackeln werden uns nur noch ein paar Minuten leuchten. Seht, wie tief sie schon heruntergebrannt sind" Im Eifer hatte bisher keiner darauf geachtet. Nun aber machten sie sich unverzüglich auf den Rück weg. Als sie kaum 50 Schritte zurückgelegt hatten, standen sie plötzlich vor einer Wand, in der sich vor ihnen zwei Spalten in die Felsen hinein auftaten. Das hatte vorher keiner von ihnen entdeckt und beachtet, und nun waren sie sich nicht einig, auf welchem Wege. Schließlich rafften sie sich doch noch einmal auf, tasteten sich an den kalten Felswänden entlang und versuchten, den Weg zum Ausgang zu finden. Aber überall war nichts als Finsternis. Mutlos gaben sie schließlich den Versuch auf.

Wie Gefahr witternde Tiere drängten sie sich zusammen, setzten sich erschöpft auf den kalten Boden und hofften darauf, daß man nach ihnen suchen und sie finden würde. Wie lange sie so in der Dunkelheit gesessen hatten, hätten sie selber nicht sagen können. Es dünkte sie länger als die Zeit, die die Sonne braucht, um einmal über den Horizont zu laufen. Schließlich hatten sie die Hoffnung schon aufgegeben, daß man sie finden würde. Aber dann hörten sie Stimmen und sahen endlich auch die flackernden roten Lichter von ein paar Fackeln, in deren Schein ein paar Männer in der Höhle nach ihnen Ausschau hielten. Fliegender Pfeil hatte den Häuptling von dem Geschehenen benachrichtigt und der hatte alle Männer des Mohikanerstammes aufgeboten, um nach den Vermißten zu suchen. Der Vater von Donnernde Wolke war der erste, der die Jungen sah.

„Laß dir das eine Lehre sein!" sagte er abwehrend, als sich Donnernde Wolke entschuldigen wollte. „Es ist niemals eine Schande, wenn man auf den hört, der größere Erfahrungen hat.



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